Isatai´s Abessinier


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Menelik

Im neuen Zuhause

ein Seemann auf Samtpfoten


Es wird Zeit, dass Ihr mich besser kennen lernt:

Ich bin Menelik vom Stamme der Abessinier. Seit Oktober 2005 bin ich offizielles Mitglied im Club der „Zuckerkatzen“ (obwohl ich doch eigentlich schon immer süß war – oder etwa nicht?) Hier an der Küste genieße einen gewissen Bekanntheitsgrad als


„Seemann auf Samtpfoten“.

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Seit ich im zarten Alter von 14 Wochen meine Eltern verließ (das war vor 15 Sommern), habe ich nämlich das Kommando über das Segelschiff „Tandjung Sari“ samt seiner Menschen - Crew bestehend aus „Skipper“ (männlich) und „Mate“ (weiblich) übernommen. Statt wie andere Katzen im Urlaub zu Hause zu bleiben, segele ich im Sommer durch Nord- und Ostsee. So ein Seefahrerleben ist voller Abenteuer.

Eines davon möchte ich Euch berichten:

Nach einem langen, windigen Törn im letzten Sommer erreichten wir spät abends einen kleinen Hafen im Norden Dänemarks. Der Yachthafen war schon so voll, dass man kaum noch Wasser zwischen den Schiffen sah. Ich habe meiner Mannschaft längst beigebracht, dass Häfen mit heißen Duschen, Clubhäusern und langweilig aufgereihten Boote nicht mein Fall sind.

Deshalb drehte Skipper ab und nahm Kurs auf den Fischereihafen. Die oben genannten menschlichen Errungenschaften gab es dort nicht. Aber schon von weitem stieg mir der verlockende Duft von Fisch und Teer in die Nase. Langsam tuckerten wir durch das Hafenbecken an den Fischerbooten entlang. Sie dümpelten im Schein einiger weniger Laternen. Im Windschatten der hohen Kaimauer flatterten die Flaggen an den langen Netzstangen wie müde Vögel. Wir fanden einen freien Platz neben einem alten, offensichtlich reparaturbedürftigen Kahn. Hier brauchten wir nicht zu befürchten, von einem Fischer geweckt zu werden, weil er im Morgengrauen mit dem Einholen der Netze seine Mäuse verdienen muss.

Ich freute mich schon riesig auf einen Landgang in diesem interessanten Hafen. Hinter einem Schuppen machte ich auch schon ein paar Artgenossen aus, die ich begrüßen wollte. Skipper und Mate hatten aber anderes im Sinn. Sie achteten nicht auf meinen Protest und beförderten mich in die Kajüte. „Meuterei!“ schrie ich.

Aber sie gingen trotzdem ohne mich fort. „Wir kommen bald wieder“, trösteten sie mich. Im spärlichen Licht einer Laterne auf der Kaimauer inspizierte ich die Kajüte. Ich war sauer und die beiden sollten das nach ihrer Rückkehr merken. Deshalb schmiss ich erst einmal alle Kissen von den Sofas. Das erschien mir aber als Strafe noch nicht genug. Ah, auf dem Regal über dem Niedergang stand noch eine blaue Flasche. Mit deren Inhalt wird gelegentlich das Deck geschrubbt. Der Stöpsel der Flasche fehlte, seit ich ihn bei Skippers letzter Reinigungsaktion mit einem mittleren Pfotenschlag in die Nordsee befördert habe. Das kam mir jetzt gut zupass. Mit einem gut gezielten Sprung erwischte ich die Flasche. Sie fiel um und eine glitschige Flüssigkeit ergoss sich über die Stufen. Zufrieden mit meinem Rachefeldzug machte ich es mir in dem Kissenhaufen auf dem Kajütboden bequem und wartete auf die Rückkehr meiner Mannschaft. Tritte auf dem Fischerkahn nebenan, schreckten mich auf. Ich war doch tatsächlich eingenickt Das waren nicht Skipper und Mate. Ich hörte die stolpernden Schritte eines einzelnen männlichen Menschen. Er murmelte vor sich hin. „Snaps und Geld und Boot“ konnte ich verstehen.

Mit einem lauten Plumps landete der Kerl auf unseren lackierten Cockpitbänken. Na, der wird was vom Skipper zu hören bekommen! Aber nicht genug damit, er hantierte mit einem Werkzeug an der Niedergangstür. Mit einem Krach zerbrach der obere Riegel. Vor Schreck verkroch ich mich ganz tief in den Kissenberg. Das Sicherheitsschloss im unteren Teil war eine zu harte Nuss für den Eindringling. Also zwängte er sich ächzend und stöhnend durch die obere Hälfte der Tür. Sein alkoholgetränkter Atem wehte bis zu mir in meinem Versteck. Steif wie Menschen, besonders betrunkene sind, fiel er durch die enge Öffnung. Unbeholfen suchten seine Beine Halt auf der obersten Stufe. Das erwies sich als Fehler. Dank meiner Strafaktion mit der blauen Flasche war der Niedergang inzwischen eine Rutschbahn. Der Widerling segelte die Stufen hinunter, genau auf mich und meinen Kissenberg. „Nun reichts“ schrie ich in höchsten Tönen. Angst gab mir Flügel. Ich sprang dem Unhold ins Genick und bearbeitete ihn fauchend und knurrend mit den Krallen. Die Blutstropfen aus seinen Kratzwunden vermischten sich mit der Seifenlauge auf der Treppe. Der Eindringling ergriff die Flucht. Polternd wie er gekommen war, verschwand er über das Fischerboot.

Als nach wenigen Minuten Skipper und Mate zurückkamen und fassungslos die Stufen zur Kajüte hinunter glitschten, fanden sie einen zitternden, dumpf knurrenden Kater mit gesträubten Fell inmitten der größten „Schweinerei“, die es an Bord je gegeben hat
(Zitat Mate).

Es spricht für die Liebe meiner Menschen zu mir, dass ihre größte Sorge nicht etwa dem zerstörten Riegel oder fehlenden Wertsachen galt, sondern mir. Sie streichelten mich und redeten beruhigend auf mich ein, bis mein Fell wieder glatt war und mein Knurren in zufriedenes Schnurren überging. Ich verzieh ihnen ihr unerlaubtes Fortgehen und war glücklich, dass wir alle drei wieder zusammen waren. Insgeheim war ich auch froh, dass die Ursache der „Schweinerei“ nicht meinen Rachetaten zugeschrieben , sondern dem Einbrecher angelastet wurde.

Die Sache hatte noch ein Nachspiel: Skipper und Mate meldeten am nächsten Morgen den Einbruch bei der Polizeistation. Sie waren etwas erstaunt weil die beiden Polizisten den Tatbestand offensichtlich sehr erheiternd fanden. Irritiert ließen sie sich von den schmunzelnden Ordnungshüter zu einer Arrestzelle führen.

Dort saß zusammengekrümmt auf dem Bettgestell ein bedauernswertes Wesen. Es war über und über mit Heftpflastern beklebt und zeterte über Boote, die neuerdings mit wilden, freilaufenden Tieren bemannt wären. Den Polizisten war der Erbärmliche kein Unbekannter. Er hatte schon öfter versucht, seinen Durst auf fremden Booten zu löschen. Aber es bleibt zu hoffen, dass er es vielleicht nicht wieder tut.

Die örtliche Presse machte die Geschichte sehr schnell bekannt. Sie nannten mich einen „ägyptischen Kampfkater“. Ihr, liebe Fories und ich wissen, dass es eine solche Rasse gar nicht gibt. Aber das bleibt unser Geheimnis.

Mit ganz lieben Maunzern
Euer Menelik mit seiner Crew
Copyright Helga Schliephacke, Hamburg

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