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Es war doch nur eine Prellung - Isatai´s Abessinier

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Es war doch nur eine Prellung

Geschichten

Am Samstagnachmittag hatte sich unsere zehn Monate junge „Eule“, eigentlich heißt sie Galeshka of Isatai und ist ein wildfarbenes Somalimädchen, im Badezimmer unter der Badematte versteckt. Leider habe ich sie nicht gesehen und stieß sie leicht mit dem Fuß an. Die Kleine hatte wohl geschlafen, denn sie erschrak sich so sehr, dass sie sofort  hinausrannte, auf unserer Mahagoniholztreppe ausrutschte und zwei Stufen hinunterfiel.

Ich lief ihr natürlich hinterher, fing sie ein und tröstete sie. Gründlich tastete ich sie ab und konnte keine Verletzungen feststellen. Sie hinkte ganz leicht mit dem rechten Hinterbein, konnte es aber belasten. Abwarten und beobachten, dachte ich mir. Als am Montag keine Besserung zu sehen war, suchte ich mit ihr unseren Tierarzt auf. Er untersuchte sie gründlich und bestätigte meine Diagnose, eine Prellung im Hüftgelenk. „Eule“ bekam eine Injektion zur Abschwellung und gegen die Schmerzen.  
An den beiden folgenden Tagen war keine Veränderung zu merken. Gut, die Katze war etwas ruhiger, benutzte aber ausgiebig das neue Kratzbrett, fraß ein bisschen weniger und war bis auf das Hinken unauffällig.

Am Donnerstag wurde das Hinken deutlich schlimmer und ich beschloss sie am Freitag noch mal dem Tierarzt vorzustellen. Am Freitag war der gesamte hintere Körperbereich deutlich lahmer geworden und ich hatte den Eindruck, dass „Eule“ auch Schmerzen hatte. Die Katze wurde mehrfach geröntgt und neurologisch untersucht. Auf den Röntgenbildern waren keinerlei Brüche oder andere Veränderungen des Skelettes zu sehen, allerdings war ihre Blase übervoll. Wir nahmen an, dass die Katze wegen ihrer Schmerzen nicht auf die Toilette gegangen war. Der Tierarzt drückte die Blase aus, um ihr Entlastung zu schaffen und zu sehen ob die Harnröhre zugeschwollen oder verletzt wäre.
Alles war soweit in Ordnung und ich sollte zu Hause die Blasenfunktion überwachen. „Eule“ bekam einige Medikamente gespritzt unter anderem auch ein Cortisonpräparat. Traumisel und Vitamin B-Injektionen bekam ich mit, um sie täglich der Katze subkutan spritzen zu können. Mit einem Termin für Montag ging ich mit unserer „Eule“ nach Hause. Am Samstag war ihr Zustand eher schlechter, als besser und ich gab der Katze ihre Injektion, danach benutzte sie, sehr unsicher, die Katzentoilette um zu urinieren.
Sie verhielt sich sehr ruhig, fraß aber deutlich besser. Am Sonntagmorgen  war der gesamte hintere Bereich gelähmt , „Eule“ konnte sich nur noch  den Vorderkörper bewegen. Sofort rief ich meinen Tierarzt ( er zwar unterwegs aber doch telefonisch zu erreichen) an und fuhr in die Tierklinik. Mein Tierarzt hatte seinem Assistenten schon telefonische Anweisungen gegeben. Nach gründlicher neurologischer Untersuchung wurden wir dann doch zur tierärztlichen Hochschule in Hannover überwiesen um eine Computertomographie (CT) machen zu lassen. In Hannover wurden wir etwas merkwürdig empfangen, aber dennoch wurde unsere Katze noch mal gründlichst untersucht. Bei der Untersuchung wurde z.B. die Schmerzempfindlichkeit der Hinterläufe und Reflexe getestet. Schmerzempfindlichkeit war noch vorhanden, die Reflexe kaum noch festzustellen.
Wir sollten „Eule“ dort lassen, denn das CT könne aus Kostengründen erst am Montag gemacht werden. Man machte mir wenig Hoffnung auf Besserung. Mein Tierarzt hatte die selben Medikament verabreicht, die auch  dort angewendet würden und man würde diese weiter verabreichen und zusätzlich eine Infusion anlegen. Der Tierarzt dort lobte die Tierklinik und meinen Tierarzt sehr und meinte er könne, falls notwendig, auch eine Operation bei meiner Katze durchführen.
Da es in Hamburg einen Tierarzt gibt der eine Computertomographie machen kann und die Infusion auch durch meine Tierklinik möglich ist, entschloss ich mich, unsere Katze mit nach Hause zu nehmen. Wir fuhren direkt zurück in unsere Tierklinik, unterwegs setzte ich telefonisch meinen Tierarzt und die Klinik in Kenntnis. Der Assistent meines Tierarztes legte einen venösen Zugang und gab mir die, nach Angaben der tierärztlichen Hochschule, vorbereitete Infusion mit.  „Eule“ kam mit nach Hause. Nachdem ich ihr die Infusion angelegt hatte, wirkte sie etwas munterer und fraß auch mit Appetit. Sie bewegte sich ansonsten kaum und sie hatte keine Kontrolle mehrt über ihre Blasenfunktion. Spätabends rief mein Tierarzt noch mal an und gab mir bezüglich der Infusion einige Instruktionen und versuchte mir Mut zu machen. Ich nahm „Eule“ natürlich mit in mein Bett und sie schlief dicht an mich gekuschelt aber lang ausgestreckt sehr gut und doch völlig bewegungslos.
Vor Sorge und Angst habe ich in dieser Nacht kaum geschlafen. Am nächsten Morgen wollte sie nichts fressen, inzwischen hatte sie schon schlechtere Kontrolle über ihren Vorderkörper. Ich verabreichte, wie angewiesen, noch mal 200 ml Infusionslösung. Wir hatten leider erst für 14 Uhr einen Termin, da mein Tierarzt erst ab Mittag wieder in der Klinik sein konnte. „Eule“ lag völlig regungslos auf ihrem Lager an der Heizung, sie konnte nur noch ihr Köpfchen heben. Weinend fuhr ich mit ihr in die Tierklinik, wir wurden sofort ins Behandlungszimmer gebeten. Mein Tierarzt und sein Assistent untersuchten die Katze noch mal gründlichst und waren wie ich  völlig fassungslos. Es war überhaupt keine Schmerzempfindungen mehr in den Hinterbeinen festzustellen, nur das Köpfchen und ein Vorderbeinchen konnte noch kontrolliert werden. Mein Tierarzt sagte, dass das Hämatom die Nerven der Wirbelsäule abgedrückt habe, dadurch wurden diese nicht mehr durchblutet und sind abgestorben.
Eine Operation zur Entfernung des Hämatoms würde vielleicht Entlastung bringen, ist sehr schwer und hätte nur eine 10%ige  Erfolgschance. Abgestorbenes Nervengewebe regeneriert sich nicht mehr; Unser Somalimädchen würde für immer gelähmt bleiben. Ein CT würde bedeuten, das die Katze in Narkose gelegt werden müsse, wir könnten dann genau das Ausmaß der Schädigung feststellen, aber das hätte im Grunde keine Konsequenz. Eine Somali, nur 10 Monate jung die nicht mehr herumtoben kann ? Eine schwere Operation mit ungewissem Ausgang? Liebe bedeutet auch loslassen zu können... „Eule“ starb sanft und ohne Schmerz und Angst in meinen Armen. Tieftraurig und fassungslos frage ich mich, wie man das  Unglück hätte verhindern können.

Die Verletzung wirkte anfangs wirklich harmlos und wer denkt gleich daran, bei einer Prellung ein CT machen zu lassen ?  

Wir haben jetzt Teppich auf unsere Mahagonitreppe geklebt, damit so ein Unglück nicht wieder passiert.

 
Last update : 10.09.2017
Mail:  gabriela.wolter@isatai.de
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